„Je schlauer, desto schlanker“. So lautet die simple Überschrift eines Artikels, welchen ich kürzlich bei Freenet einem Unterklassennachrichtenanbieter im Web gefunden habe. Darin wird eine von Horst Seehofer vorgestellte „Verbraucherstudie“ dahingehend interpretiert, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Bildung und Körperbewusstsein gäbe. Eine These, die ich im folgenden anhand Alltagsbeispiele aus der Muckibude meiner Wahl widerlegen will. In eben jenem Studio wimmelt es naemlich nur so von mehr oder weniger adonismäßig getrimmten Hohlbrennern, und das, obwohl der Name der Studiokette bei einer weltweit agierenden Fastfoodmafia gestohlen wurde.

Aber zum wesentlichen: Ich habe einige Beobachtungen zusammengetragen, die den geneigten Leser von meiner Sicht der Lage ueberzeugen werden:

  • Der durchschnittliche Besucher dieses Studios würde die Aussage „Mein Koerper ist das wertvollste fuer mich“ locker unterschreiben (Wahlweise auch drei X machen), was allerdings einzig damit zu begründen ist, dass es mit dem Geiste eh nicht so besonders weit her ist. Diese Einstellung vermag er gekonnt durch das tragen von zu kleinen Unterhemden in Szene zu setzen, die Prachtstücke sind zusätzlich noch mit chinesischen Zeichen und/oder dem Namen irgendeiner Geliebten verziert, gut sichtbar natürlich. Dabei scheint die tatsächlich vorhandene Muskelmasse keine grosse Rolle zu spielen, es zählt vielmehr das subjektive Empfinden, der absolute Brecher zu sein.
  • Des weiteren kommt er mit gefühlten 20 Vokabeln aus, und da sind die Grunzlautabstufungen (von „Scheisse, zu viel Gewicht“ bis „Boah, die neue Trainerin…“) schon mit eingerechnet.
  • Wechselt dieser Besucher dann nach dem 18. Satz mal von der Flachbank zur Bizepsmaschine, muss er das ja leider zu Fuß tun – der 3er BWM vor der Tür verfuegt zwar über getönte Scheiben, Fake-Quattro-Auspuffrohre und allerlei technischen Schnickschnack, aber durch die Studiotür passt er leider nicht. Dabei gilt es zu beachten, das der Winkel zwischen Rumpf und Armen 70 Grad nicht unterschreitet, und die Schultern sollten bei jedem Schritt rythmisch-betont nach vorne Wippen, im Endeffekt also in etwa so wie ein Dr.House auf dem Weg in sein Büro, nur ohne Stock, schneller, und mit Rasierklingen unter den Achseln.
  • Wie oben schon erwähnt, sollte sich der „Trainingsplan“ auf eine Bizeps – und eine Brustübung beschränken, Stichwort: Discopumper. Diese Übung sollte man aber nach der Durchführung möglichst ausführlich mit seinen Freunden besprechen, und je nach Gewicht kann man sich auch etwas feiern lassen. Beim Bestücken der Stangen mit Gewichtsscheiben ist peinlichst darauf zu achten, dass jeder mitbekommt, dass man jetzt schon X Kilo drückt.
  • Trotz dem eher geringen Umfang des Trainingsplans gilt es, möglichts lange an den Bänken zu bleiben und diese zu blockieren. Dazu hat man verschiedene Möglichkeiten: Am beliebtesten ist wohl das merhminütige Selbstbetrachten im Spiegel, nach jedem Satz. Auf Platz zwei kommt das zutexten des Trainers, besser: der Trainerin. Sollte selbst das nicht klappen, hat man ja noch sein teures Mobiltelefon, und kann wichtige Gespräche führen; hierbei sollte man sich unbedingt mit „Ich bin grad Studio“ melden um den sicheren Einstieg in die Unterhaltung zu finden.
  • Nochmal zum Thema Sprache: Wie man in obigem Beispiel sieht, gilt es auf Präpositionen generell, und weiter auf moeglichst viele mehrsilbige Worte zu verzichten. Dabei spielt auch die Muttersprache oder Nationalität keine Rolle, hauptsache man schindet Eindruck bei der Bospurusconnection, die gerade mit Posen oder Trainer zuquatschen beschaeftigt ist und so sicher 1-2 der eigenen Gesprächsbrocken aufschnappt.
  • Ist man dann fertig mit dem Training, gilt es nach Manier des schnellen, rasierklingenbestueckten, stocklosen Dr. House in die Umkleidekabine zu stolzieren. Der unwissende Leser würde vermuten, dass sich der Besucher dann umzieht, aber weit gefehlt: es reicht vollkommen, die weissen Nike Shox gegen die schwarzen zu tauschen, sich noch einen Proteinshake am Automaten zu ziehen, die Lederjacke an, Bauchtasche nicht vergessen, und dann in bewährter Manier zum Schnickschnackbmw zu marschieren – Verabschiedung mit Handschlag und/oder Bruderkuss bei etwa 75% der Studiobesucher und dem Trainer natürlich inbegriffen.
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    Aber dennoch, der unglaubliche Charme, diese Ghettoromantik, der Geruch nach Schweiss, gefaelschtem Calvin Klein und Nestle, all das macht es zu einem Liebenswerten Ort. Soviel Dazu.

    Naechstes Mal vielleicht: Warum Harry Potter – Darsteller Paula Radcliff wieder Solo ist, und warum das mehr Leute interessiert als das hessliche Wahlergebnis von letzem Wochenende.

    Tag,

    Eine Erklärung, wer Jerome Kerviel ist, ist wohl überflüssig. Was hat aber Robin Hood damit zu tun? Ganz einfach, Robin Hood war lange genug der König der Diebe, jetzt ist es Jerome Kerviel! Wer es schafft, 4,9 Milliarden Euro erst zu stehlen und dann unter den Armen Aktienhändlern zu verteilen, hat den Titel mehr als verdient. Nur verständlich, dass so ein Volksheld, der sich gegen die scheinbar unbesiegbare Übermacht aus Wirtschaft und Politik auflehnt, vorerst untertaucht, schließlich ist ihm der Sherrif von Nottingham Staatsanwalt Jean-Michel Aldebert dicht auf den heroischen Fersen. Bisher haben nur wenige erkannt, mit was für einem Gutmensch die Medien hier seit Tagen auf der Suche nach einer Sensationsschlagzeile ihr falsches Spiel treiben, aber ich bin sicher, dass sich das rasch ändern wird wenn den Menschen erstmal bewusst wird, wie vielen notleidenden, kokainsüchtigen, 80-wochenstunden-arbeitenden Bankerbleichgesichtern er damit zu einem verspäteten Weihnachtsgeld verholfen hat. Die 4,9 Milliarden müssen ja auch irgendwo hingeflossen sein. Hoffen wir nur, dass Monsieur Kerviel nicht vorher dingfest gemacht wird, aber er wird sich den Weg vermutlich ähnlich souverän mit Pfeil und Bogen freischießen.

    Aus noch geheimer Quelle habe ich auch erfahren, dass Kevin Costner bereits angefragt hat, wann es denn zur Verfilmung kommt und er die Strumpfhosen gegen den schicken Nadelstreifen tauschen kann…

    Jerome Hood

    Soviel dazu.

    Nächstes mal: Warum Roland Koch eigentlich der bessere Che Guevara ist.